Schafe auf der London Bridge

Notiz bei BBC-Online: Harry-Potter-Autorin J.K. Rowling erhält die „Freedom of the City“ – eine seltene Ehre, die aus dem Mittelalter stammt und einstmals aus Leibeigenen und Hintersassen freie Bürger der Stadt Londons machte – ein im Wortsinn befreiender Akt, der mit einem aufwändigen Pergament schriftlich bestätigt und mit folgendem Schwur besiegelt wurde:

„I do solemnly swear that I will be good and true to our Sovereign; that I will be obedient to the Mayor of this City; that I will maintain the Franchises and Customs thereof, and will keep this City harmless, in that which in me is; (…) that I will know no Gatherings nor Conspiracies made against the Queen’s Peace, but I will warn the Mayor thereof, or hinder it to my power.“

Das Geschwurbel geht noch eine Weile so weiter. Geliefert wurde das Dokument in einer hölzernen Schachtel und so mancher Bürger Londons trug sie stets unter dem Arm, sobald er das Haus verließ, um es auf amtliches Verlangen vorzeigen zu können: Das Pergament stellte eine frühe Form des →Personalausweises dar (den es heute nicht gibt). Holzkiste, Schwur und Urkunde haben bis in unsere Tage überlebt.

Wieder eins dieser verschrobenen englischen Rituale, das über die Jahrhunderte jeglichen Inhalt verloren hat? Weit gefehlt! Wie ich soeben in meinem London-Lieblingsschmöker lese („London‘s strangest Tales“), berechtigt der Titel „Freedom of the City“ Frau Rowling auch heute noch zu allerlei nützlichen Dingen:

Jeder sogenannte Freeman (oder in diesem Fall Freelady? Mit freien Frauen konnte ja damals niemand rechnen) hat das Recht, auf der London Bridge Schafe zu weiden, ihm oder ihr ist es erlaubt, mit gezogenem Schwert durch London zu laufen. Er oder sie kann darauf bestehen, in St. Paul‘s Cathedral zu heiraten, darf betrunken und/oder schlampig gekleidet durch die Straßen laufen, ohne verhaftet zu werden und – das beste kommt zum Schluss – im Falle einer Verurteilung zum Tode durch den Strang hat der Delinquent das Recht, dass das verwendete Richtzeug ein Seidenstrick ist. Und das ist immerhin sehr rücksichtsvoll, ist doch der üblicherweise verwendete Hanf das reine Gift für empfindliche Haut…

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