Zu den Wappen! Das Ende des Union-Jack

„Oh no, it‘s Germany!“ titelt heute die „Sun“. Das englische Fachblatt für antideutschen Agitprop zittert jetzt schon um das englische Team, wenn es im Halbfinale der EM gegen Jogi‘s Eleven antreten muss (und übergeht nonchalant, dass es dazu im Viertelfinale erst mal noch Italien besiegen muss).

Sollte es wirklich soweit kommen, dann wird natürlich auch Schottland mitfiebern – mit den Deutschen. Für uns Teutonen haben die Schotten aus unerfindlichen Gründen eine besondere Sympathie. Es würde allerdings wenig ändern, wäre eine andere Mannschaft der Gegner Englands. Denn es ist mittlerweile eine lieb gewonnene Tradition der Schotten, in allen Sportarten jede Mannschaft zu unterstützen – von Usbekistan über Kenia bis zu den USA – nur nicht die verhassten Nachbarn im Süden, mit denen sie – Alas! – die Insel teilen müssen.

Es ist ja auch eine Kuriosität: Bei der Europameisterschaft tritt jedes Land mit einem Nationalteam an, nur die Briten nicht. Die stellen ein Regionalteam auf, England eben. Das ist ungefähr so, als würde Belgien mit einer wallonischen Auswahl antreten, Norwegen mit dem FC Trondtheim, oder Deutschland, sagen wir, die Bayern schicken (was nicht eben klug wäre, weil die wohl im Moment eher auf zweite Plätze abonniert sind, wie ich höre…).

Wie auch immer: Die im Stadion wie im Pub zu solchen Anlässen allenthalben geschwungene Fahne ist die Englische: Rotes Kreuz auf weißem Grund, nicht der britische Union Jack. Und wenn es nach den Schotten geht, wird es demnächst gar keine Gelegenheit mehr geben, die britischen Nationalfarben zu tragen, wie kürzlich noch bei Lizbäts Diamant-Jubiläum – ein Meer aus Blau-Rot-Weiß, auf den Straßen und in den Geschäften, auf Autos, Torten, Papptellern, Winkelementen und gepinselt auf Gesichtern. Die Olympischen Spiele könnten zum letzten Großereignis werden, bei dem die britische Nation diesen Nationalfarben huldigt.

Denn siehe: Das Ende des Union Jack ist nah! So raunen zumindest Heraldiker – und die Briten erschaudern. Sollte sich Schottland beim geplanten Referendum in zwei Jahren tatsächlich vom Rest des Königreichs lossagen, dann wäre es undenkbar für die traditionsbewussten Briten, dass die Fahne unverändert bestehen bleibt. Seit vor 400 Jahren die schottische mit der englischen Krone vereint wurde (übrigens von einem schottischen König), steht das Blau im Union-Jack für das Reich der Highlands. Kein Schottland, kein Blau heißt deshalb die einfache Rechnung – und erste Entwürfe einer neuen Fahne machen die Runde, in Rot und in Weiß und ein bißchen in Grün, plus einem roten Drachen, dem Wappentier von Wales.

Abgesehen von der Flaggenfrage stellt sich natürlich noch eine andere: Wie groß ist Großbritannien, wenn Schottland wegfällt? Bleibt dann noch Britannien übrig, bestehend aus England und Wales? (Nord-Irland gehört nicht dazu, sondern macht aus Großbritannien das Vereinigte Königreich, während die Republik Irland ja gar kein Stück vom königlichen Kuchen der Queen ist – im Gegensatz zum Commonwealth… Herrgott, hätten die das nicht etwas übersichtlicher gestalten können?)

Die Verwirrung ist groß, und deshalb wollen wir den Amerikanischen Fernseh-Kollegen auch nachsehen, dass sie anlässlich des Thronjubiläums einen Reporter Irische Touristen befragen ließ, ob sie stolz auf ihr Staatsoberhaupt seien – und die Antwort auch noch gesendet haben…

Offenbar inspiriert vom möglichen Abfall Schottlands, wagen sich jetzt auch andere aus der Deckung: Am Wochenende (25.6.2012) hat der Regierungschef von Jersey im Guardian gedroht, man müsse sich überlegen, ob man künftig noch bei Großbritannien bleiben könne. Premierminister Cameron hatte angekündigt, Steuerschlupflöcher für die Superreichen zu schließen, von denen die Offshore-Insel traditionell am meisten profitiert. Niemand glaubt natürlich, dass Jersey den Schritt machen wird, aber mit der Perspektive Schottland zu verlieren, spielen solche lauten Überlegungen doch vor einer ernsthaften Drohkulisse.

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