Wort der Woche: Shambles

Er hat‘s mal wieder verbockt: Pete Doherty hat die Entziehungskur geschmissen, dabei durfte er dafür diesmal in eine edle Klinik nach Thailand fliegen. Aber trotz 10.000 Euro, Meditationskursen und Riverrafting konnte er die Finger nicht vom Stoff lassen, weshalb er nach drei Wochen mitsamt seinem Heroin rausflog. Nun steht der Sänger der Babyshambles, wie man so sagt, vor dem Scherbenhaufen seines Lebens. Oder – und das viel schöner – auf gut English: His life is in shambles.

Lautmalerische Wörter sind in jeder Sprache ein Fest – und hier hört man es so laut scheppern, dass es eine Lust ist: Shambles, da steht kein Stein mehr auf dem anderen! Ein Durcheinander, Schlachtfeld, Saustall, Gewürge, eine Wüstenei.

Shambles kommt dabei mal ohne und mal mit unbestimmtem Artikel daher, folglich auch im Singular – und das ohne erkennbaren Grund. Da schreibt ein Kolumnist des → Time Out Magazins in der jüngsten Ausgabe: „I have looked in the mirror and seen a shambles.“ In diesem konkreten Fall geht es um das beschämende modische Äußere des Kollegen (vom Modebewußtsein der lokalen Herrenwelt ein andermal mehr). Wieso hier der Artikel zwischengeschoben steht – was die Chose grammatikalisch zum Adverb befördert, aber sonst wenig Nutzen zeitigt – das entzieht sich meiner Kenntnis (wer des Rätsels Lösung kennt, möge sich in der Kommentarspalte verewigen).

Öfter noch denn als aktuelle Zustandsbeschreibung ist Shambles als düstere Ahnung gern genommen, drückt somit nicht aus, was schon in Scherben liegt, sondern künftig noch zu Bruch gehen könnte (und spiegelt damit die englische Lust am Pessimismus): Will the Olympics go to shambles? raunen zum Beispiel die Zeitungen (man ersetze Olympics wahlweise durch the UK, the monarchy, the Euro, the health system, the Royal Army, the economy, morals etc.).

Wobei – um noch einmal darauf zurückzukommen – der Name von Dohertys Band Babyshambles wohl nichts mit chaotischen oder durcheinander geratenen Kleinkindern zu tun haben dürfte und auch keinen Ausblick auf die Fertilitätsrate der Bandmitglieder gibt. Nein, bei Herrn Doherty ist eher zu erwarten, dass eine andere Bedeutung der Namensgebung Sinn verleiht: Shambles ist auch ein altes Wort für Metzger oder wahlweise: Schlachtbank…

Ein Gedanke zu „Wort der Woche: Shambles

  1. Pingback: Wort des Jahres: Omnishambles | Mind the Gap!

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