Things to do (when in London) – Teil 1: Rund um Trafalgar Square

Jetzt versprechen sie wieder alle Geheimtipps, die Stellen in London, die garantiert noch keiner kennt: Zeitungen und Magazine füllen ihre Olympia-Seiten und Sonder-Hefte mit Touri-Tipps, die so geheim sind wie die Lieblingsfarbe der Queen (gelb). Dabei gibt es die schönsten Schätze oft dort zu entdecken, wo man als Tourist eh längs kommt, aber die Attraktion  völlig übersieht. Wie zum Beispiel am Trafalgar Square, wo es viel mehr zu entdecken gibt als Nelson auf seiner Säule und die anderen zehntausend Touristen. Man muss nur genau hinschauen, dann findet man:

Die kleinste Polizeistation der Welt…

Sie ist in einer Laternensäule untergebracht, wenn man in Richtung British Museum guckt, am rechten Rand. In die Polizeistation passt genau ein Polizeihauptwachtmeister – aber leider auch jede Menge Gerümpel: die Station ist seit einigen Jahren geschlossen. Betrüblicherweise hat die Stadtverwaltung stattdessen allerlei Leitern und Putzzeug dort gebunkert.

Seit 1826 war der überdimensionierte Lampenpfosten der Beobachtungsstand der des diensthabenden Officers, von wo aus er die Aktivitäten auf dem Platz überblicken konnte, denn Trafalgar Square ist traditionell der Versammlungsort der Politisierten und Unzufriedenen. Kundgebungen fanden früher vor allem hier statt, Demonstrationen begannen oder endeten hier – weshalb die Ein-Mann-Polizeistation schon früh mit einem Telefon ausgestattet war. Seit 1926 existiert eine Standleitung zum Scotland Yard, gleich um die Ecke.

…die Referenz-Platten für die Imperialen Längen-Maße…

Wer sich gesteigert und ausdauernd über den Unsinn britischer →Maßeinheiten in der heutigen Zeit aufregen kann (wie zum Beispiel der Autor), der findet die Objekte seines Hasses am hinteren Ende des Trafalgar Squares, eingelassen in die Wand, hinter der sich ein kleines Café und die öffentlichen Toiletten befinden (rechts und links davon führen die Stufen hoch zur National Gallery).

Es ist dies sozusagen der Altar für alle Jünger des imperialen Maßes und Klagemauer für alle rationalen Menschen, vulgo: Anhänger des metrischen Systems. Denn hier sind sie alle versammelt, bei exakt 62 Grad Farenheit vermessen, sodann in Bronze gegossen und für die Ewigkeit festgehalten: Inch, Foot, Yard und so seltsame Dinge wie Link (eine „nicht dem Internationalen System konforme Einheit“, wie Wikipedia festhält. Link steht dabei für „Kettenglied“ und wird wie folgt umgerechtnet: 1 li. = 0,22 Yard = 0,66 ft. = 7,92 in. = 0,201168 m = 20,1168 cm; 1 statute mile = 8 furlong = 80 chain = 320 rod = 8000 link – leuchtet ein, oder?).

… die Mitte des Britischen Empires…

Das hat er eigentlich nicht verdient: Auf einer schäbbigen Verkehrsinseln vor Trafalgar, und mißachtet von den Schülergruppen, die an seinem Sockel Pause machen, steht die Reiterstatue von König Charles I. umflossen vom Stadtverkehr. Noch viel weniger Beachtung findet die Bronzeplakette, die hinter dem Standbild in den Boden eingelassen ist. Die meisten Touristen trampeln einfach darüber hinweg. Und das völlig zu Unrecht, markiert die Tafel doch die Mittel Londons, und damit des Britischen Empires. Von exakt diesem Punkt aus werden sämtliche Entfernungen gemessen: Wer wissen möchte, wie weit Bombay, Belfast oder Birmingham entfernt liegen, der fängt hier an zu messen.

Allerdings handelt es sich nicht um die geografische, sondern um die historische Mitte Londons. Der Punkt ist die Nahtstelle zwischen der City of London, dem heutigen Finanzdistrikt, und der City of Westminister, dem Regierungsviertel. Zusammen bilden „die beiden Londons“ den Kern dessen, was heute die Hauptstadt darstellt.

Über die geografische Bedeutung hinaus war dies auch der Punkt von dem die Bezahlung der Regierungsbeamten im 19. und 20. Jahrhundert bemessen wurde: Jeder, der im Umkreis von 6 Meilen um diese Bronzeplakette wohnte, erhielt einen Zuschlag.

Ursprünglich hieß diese Stelle übrigens King’s Cross. Aus Publicity-Gründen für die neue Bahnstation und das zugehörige Hotel wurde der Name dann einen Steinwurf weiter nach Osten verlegt. Auf dem Weg von Trafalgar nach King’s Cross treffen wir auf die nächsten beiden Sehenswürdigkeiten, und zwar in der ruhigen Craven-Street, die gleich neben dem Bahnhof Richtung Themse führt:

…das einzige Glasaugenmuseum der Welt…

London ist bekannt für seine absonderlichen Museen. Neben dem Zahnmuseum das absonderlichste dürfte wohl dieses sein, betrieben vom Kollegium der Optometristen. Ich hatte noch keine Gelegenheit, einen Blick hinein zu werfen, da es geschlossen war, als mich meine Schritte dorthin lenkten, aber Besucher berichten davon, dass der Herr am Eingang ebenso freundlich wie sachkundig durch die kleine Ausstellung führt.

Thematisch durchaus mit dem otpischen Museum verknüpft findet sich ein paar Häuser weiter die Straße runter…

…das Wohnhaus von Benjamin Franklin…

Ja, man glaubt es kaum: Der Vater der amerikanischen Verfassung hat einige Jahre in London gewohnt, und zwar genau hier, in der Craven Street 36. 1790, im Jahr seines Todes, hat er zudem die binokulare Lesehilfe erfunden, vulgo: Die Brille. Die Nachbarschaft zum Glasaugenmuseum scheint aber zufälliger Natur zu sein.

In seinem Wohnhaus ist heute ein kleines Museum untergebracht, das von der britischen National-Lotterie finanziert wird. an mehreren Tage in der Woche finden hier historische Führungen in ebenso historischen Kostümen statt.

Einen kleinen Gruselfaktor bietet das Museum auch: Bei der Sanierung des Hauses wurden im Keller zahlreiche Menschenknochen gefunden, die zum Anatomie-Institut William Hewsons gehörten, einem engen Freund Franklins. Offenbar war der Naturforscher regelmäßig bei Sektionen anwesend.

Demnächst mehr Sightseeing der anderen Art: Rund um Buckingham Palace, und: Gleich um die Ecke von St. Paul’s.

Gern würde ich behaupten, ich hätte all diese versteckten Ecken durch genialen Findungsgeist und persönliche Spannkraft aufgestöbert. Tatsächlich standen mir zwei sehr empfehlenswerte Bücher zur Verfügung:

Secret London – an unusual Guide, sowie

London’s Strangest Tales – Extraodanary but true stories.

2 Gedanken zu „Things to do (when in London) – Teil 1: Rund um Trafalgar Square

  1. Pingback: Things to do (when in London) – Teil 2: Am University College | Mind the Gap!

  2. Pingback: Things to do (when in London) – Teil 3: Rund um Buckingham Palace | Mind the Gap!

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