Ausgefuchst…

Das Kläffen aus Hecke hinter unserem Haus klingt hundeartig, irgendwie auch wieder nicht, wütend jedenfalls: Dann kommt aus der Dunkelheit Mikesch zur Küchentür herein geschossen. Mit aufgestellten Nackenhaaren und buschigem Schwanz verkriecht sich der Kater laut mauzend unter der Couch.

Der Fuchs, mal wieder. Dreimal innerhalb einer Woche hat sich dieses Schauspiel nun abgespielt, immer abends gegen 10. Wer bei so einem nächtlichen Treffen den Kürzeren zieht, ist wohl klar, zumal Mikesch ein noch junges Tier ist, allgemein freundlich, ein Angsthase und unerfahren im Umgang mit Artgenossen ebenso wie mit Vertretern anderer Tierarten.

Fuchs_EinfahrtAuch ich habe schon ein paar Exemplare der Familie Vulpes zu Gesicht bekommen, am belebten Parkplatz vor der Turnhalle, in der ich zwei mal wöchentlich trainiere. Er schlich ums Auto herum, blieb stehen und schaute frech zu mir hoch. Als ich näher kam, trollte er sich gemäßigten Schrittes ins nächste Gebüsch. Die hintere Hälfte seiner „Rute“, wie der Waidmann sagt, war kahl – wohl Zeichen dafür, dass auch das Leben in der Großstadt für einen Fuchs kein Honigschlecken ist.

Füchse, so lernen wir, sind weit verbreitet, auf dem Land natürlich, aber eben auch mitten in der englischen Hauptstadt, in Kensington und Harrow und Whitechapel – und nicht nur in den Randbezirken, wo viel Grünzeug ausreichend Schutz bietet.

Auf dem Privatsender Channel 4 gab es vor einiger Zeit sogar eine Dokuserie dazu, interaktiv mit Zuschauerbeteiligung. Gartenbesitzer sollten von ihren Fuchssichtungen berichten, Fotos, Videos einsenden. Die Daten wurden in eine interaktive Karte eingearbeitet und dann an die Universität Brighton gesendet, wo man im Auftrag der Regierung an der ersten großen Studie zum Thema Fuchs seit über 30 Jahren arbeitet.

Sicher, Füchse wurden auch schon in deutschen Großstädten gesichtet, und hier wie dort weiß man nicht so genau, ob es in den vergangenen Jahren immer mehr Füchse gibt, oder ob sie sich nur ungenierter zeigen, weil sie wissen, dass ihnen vom Menschen kaum Gefahr droht.

Niemand weiß auch nur annähernd, wie viele Füchse es in London, Birmingham, Manchester oder Glasgow gibt, geschweige denn im ganzen Land. Das jüngst erwachte Interesse der Engländer an dem rothaarigen Räuber rührt aber weniger von der Aussicht auf Wiedereinführung der ehedem beliebten Fuchsjagd her, sondern eher von der Furcht vor dem Fuchs als Seuchenüberträger. Die Insel ist seit geraumer Zeit frei von Tollwut, aber natürlich will man zum einen dafür sorgen, dass es so bleibt, und zum anderen verhindern, dass andere Seuchen vom Fuchs quer durch‘s Land verbreitet werden.

Dass eine ernsthafte Gefahr von den urban foxes ausgeht, möchte ich allerdings bezweifeln. Natürlich sind sie bisweilen eine Landplage, wenn die dünnen Müllsäcke, die abends zum Abholen vor die Tür gestellt werden, am nächsten Morgen aufgerissen sind und der Inhalt sich über den Bürgersteig verteilt. Dem wäre aber leichterdings abzuhelfen, wenn sich die örtliche → Müllabfuhr dazu durchringen könnte, die durchaus vorhandenen Mülltonnen zu leeren, anstatt nur Säcke (und zwar ausschließlich schwarze!) einzusammeln.

Vermutlich sind Füchse eine viel kleinere Gefahr für die Volksgesundheit als die allgegenwärtigen Tauben, Mäuse und Ratten (letztere auch bereits in der Ecke eines Metzgers gesichtet). Nur sind Füchse halt sichtbarer als die Nager.

Eins ist zumindest sicher: Kater Mikesch wird ihre Zahl kaum dezimieren, auch wenn er nach dem ersten Schreck im Wortsinn schnell wieder obenauf war, und von seinem Lieblingsplatz auf dem Wohnzimmerschrank heroisch und zufrieden auf uns herabblickte. Auch heute wird er wieder an der Küchentür stehen, wenn es dämmert, und maunzend darauf drängen, in die Nacht zu ziehen, hinaus ins Feld gegen Feind und Fuchs.

3 Gedanken zu „Ausgefuchst…

  1. Nach Plane-spotting, Bird-spotting, Train-spotting ist jetzt wohl Fox-spotting angesagt. Wie man gemeinhin weiss, hat der otto-normal Engländer ja eine Vorliebe für absonderliche Hobbies.

    • Stimmt. Aber nicht nur Otto-Normal-Engländer, sondern auch die Prominenz: Wer gestern Abend bei der Olympia-Abschlussfeier genau hingeschaut hat, konnte auf dem lederjackenen Ärmel von Ex-Queen-Guitarrist Brian May das Bild eines Fuchskopfs erkennen: Das Mitglied des „Most Excellent Order of the British Empire“ ist völlig Fuchs-vernarrt und betreibt auf seinem Landsitz eine Auffang-Station für verletzte und kranke Füchse, wo sie aufgepeppelt und dann wieder ausgewildert werden. Finden nicht alle Engländer toll…

  2. Pingback: Watching the Wildlife oder: Weiß der Fuchs! | Mind the Gap!

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