Things – not – to do (when in London) – Teil 2

Nachdem wir uns im ersten Teil mit den Sehens-Unwürdigkeiten Londons befasst haben, ist diese Folge einem eher praktischen Thema gewidmet. Denn hierzulande sollte man es tunlichst unterlassen…

…auf einem Privatparkplatz unbefugt zu parken.

Was? Autofahren in London? Wirklich? Na, wer‘s gar nicht lassen kann, sollte zumindest im Hinterkopf behalten, dass Fahren das eine ist, die Karre aber auch irgendwo bleiben muss, so man sich mit dem Gedanken trägt, irgendwo auch wieder auszusteigen.

Kostenfreie Parkplätze gibt es in London exakt: 0. In regulären Parkhäusern zahlt man gern einmal 8 Pfund pro angefangener Stunde (zum Beispiel am Hyde Park). Auf den eingezeichneten Flächen am Straßenrand kann man parken, so man denn in der Lage ist, der komplizierte Anleitung am nächsten Laternenpfahl zu folgen, um per Handy, Kreditkarten-Nummer und zwei dutzend Zahlenkombinationen eine temporäre Parkberechtigung zu ersteigern.

Keinesfalls aber sollte man auf die Idee verfallen, auf einem Privatparkplatz ohne Einverständnis des Eigentümers zu parken. Da verstehen Briten aber mal gar keinen Spaß. Die entsprechend angebrachten Schilder sind unbedingt ernst zu nehmen. Wer sich nicht darum schert, hat binnen kürzester Zeit die angedrohte Kralle (Clamp) am Rad. Und die wird nur gegen Zahlung von schmerzhaften Geldsummen wieder entfernt – in der Regel zwischen 80 und 150 Pfund. Exekutivorgan dieser drakonischen Maßnahme sind auf diese besondere Form der Wegelagerei spezialisierte Privatfirmen, die das Wort Gnade noch nie gehört haben. Naja, sie leben auch davon.

Rechtlich zulässig ist diese Beraubung der Bewegungsfreiheit und das Vergreifen an anderer Leute Eigentum offenbar durch ein mittelalterliches Gesetz, das dem Inhaber von Privatgrund fast jedes Mittel einräumt, Fremde von selbigem fernzuhalten. Offenbar gibt es immer wieder Versuche, dieses Gesetz zu ändern, aber der Engländer hängt an seinen Traditionen – for good or for worse.

So fragwürdig dieses Gebaren ist, wenn es um den Parkplatz vor der eigenen Haustür handelt, ein gewisses Verständnis kann wohl jeder dafür aufbringen, dessen Garageneinfahrt schon einmal von Falschparkern blockiert wurde oder wer nach nächtlicher Heimfahrt nicht auf den eigenen Stellplatz gelangte, weil es irgend jemandem gefiel, sein Auto ebendort zu parken.

Wie immer in solchen Situationen, gibt es Menschen, die daraus ein Geschäftsmodell entwickeln. Das musste der Autor selbst bereits einmal feststellen. Nicht in London zwar, aber gleich um die Ecke in Windsor, angelegentlich einer Besichtigung des Schlosses der gleichnamigen Herrscherfamilie. In dessen unmittelbarer Nähe liegen etliche öffentliche, städtische Parkplätze – und ein privat geführter.

Letzterer ist natürlich am leichtesten zugänglich und lauftechnisch am angenehmsten. Seltsamerweise gibt es keinen Schlagbaum mit Automaten, an dem man sein Ticket zieht. Und bezahlt wird die ausstehende Summe nicht wie üblich bei Rückehr, sondern perfider Weise – wie an der Parkuhr am Straßenrand – im Vorhinein, sodass, wer auch nur ein paar Minuten zu spät zurück kehrt, seinen Wagen clamped vorfindet, und daneben einen gelangweilten Mitarbeiter jener Privatfirma, der den Schlüssel zur Kralle verwaltet, und praktischer Weise die Kreditkarten-Lesemaschine gleich mit.

Wir waren zum Schluss unseres Rundganges durch die Schlossanlagen ein wenig weit die berühmte Allee hinaus spaziert, die auf das Schloss zuläuft. Der öffentliche Parkplatz aber liegt auf der anderen Seite. So erhöhten sich wegen 18 Minuten Parkzeitüberschreitung die eh schon saftigen Parkgebühren von 11 Pfund (für drei Stunden) um ein Vielfaches. Da half kein Flehen, Barmen, Bitten, kein Wüten, Toben, Drohen – 120 Pfund waren futsch. Noch einmal: nicht dass wir illegal geparkt, oder gar eine Feuerwehrzufahrt blockiert hätten. Wir haben des Wagen ordnungsgemäß abgestellt, die geforderte Parkgebühr bezahlt und die Parkzeit um einige Minuten überschritten.

Die ganze Geschichte ist natürlich darauf angelegt, dass die Leute zu spät zurück kommen, oder aber schon vorher so viel zusätzliche Parkzeit bezahlen, dass sie nicht in die Verlegenheit kommen. Aber wer kann schon genau sagen, ob er drei oder vier Stunden bei der Schlossbesichtigung verbringen wird? Wer im Bereich Parken zu den etwas nachlässigeren Zeitgenossen gehört, dem nutzt auch die rechtzeitige Rückkehr nichts: Autos, die nicht exakt auf den eingezeichneten Flächen stehen und einige Zentimeter über die Markierung geparkt sind, bekommen ebenfalls eine Kralle ans Rad.

In unserem Fall war der einzige Trost, dass wir nicht die einzigen waren, dusselige Deutsche, die keine Ahnung von den ortsüblichen Verhältnissen haben. Drei englische Familien hatte es ebenfalls erwischt, die nach eigener Aussage kaum 5 Minuten zu spät an ihrem Auto waren, und nun stinksauer, aber ebenso hilflos waren wie wir. Von ihnen erfuhren wir, dass ein juristisches Vorgehen gegen diese Abzocke vermutlich zwecklos sei. Entsprechende Recherchen in den einschlägigen Internet-Foren bestätigen das. Wie man liest, sind die Bürger Windsors ebenso peinlich berührt von der Sache wie hilflos. Entsprechende Eingaben haben offenbar zu nichts geführt.

Also, wer schon so unglücklich ist, sich mit dem Auto im Dunstkreis Londons bewegen zu müssen, der sollte möglichst stets einen faltbaren Parkplatz mit sich führen und ansonsten genau hinsehen, wo er parkt, um sich solch unangenehme Urlaubserinnerungen zu ersparen.

Den ersten Teil verpasst? Things – not – to do (when in London) gibt es hier.

Ein Gedanke zu „Things – not – to do (when in London) – Teil 2

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