Mars macht… fettige Finger

Schmelziger Butter-Karamell mit Nougat-Crème, umhüllt von zarter Vollmilchschokolade, behutsam und mit viel Liebe im knusprigen Brickteig-Mantel zur Vollendung gesotten – eine britische Spezialität erster Kajüte: Voilá, deep fried Mars – ebenfalls als deep fried Lion zu erwerben, als deep fried Snickers , oder in der kreativen Variante auch am Spieß als Rolo Kebap. So entdeckt am Wochenende auf dem Camden-Market – was aber nicht als Geheimtipp zu verstehen ist. Ein solches kulinarische Fest kann man an vielen Orten der Hauptstadt feiern. Und in ganz Großbritannien.

Diese besondere lukullische Verlockung britischer Provenienz hat ihren Ursprung offenbar in einem Imbiss im schottischen Stonehaven, wo vor gut 20 Jahren Besitzerin Lorraine Watson auf den Gedanken verfiel, dass man in das sprudelnde Frittenfett nicht nur Kartoffelstäbchen und in Bierteig gebadeten Schellfisch tauchen könnte, sondern auch gleichermaßen panierte Schoko-Riegel. Die Kunden hielten das offenbar für eine ausgezeichnete Idee, und so verbreiteten sich Ruf und Gericht gleichermaßen mit einer Geschwindigkeit, wie sonst nur Grippeviren, Modetrends und Gerüchte über Seitensprünge.

Frittierte Marsriegel sind seitdem – wenn schon nicht zum Nationalgericht – so aber doch zu einer heimlichen Leidenschaft der Briten geworden. Und zum Gottseibeiuns aller Gesundheitsapostel.

Nun steht schon das unveredelte Originalprodukt nicht in dringendem Verdacht, ungebührlich gesund zu sein (erfunden wurde es übrigens von Forrest Mars Sr. in den 30er Jahren, in Slough vor den Toren Londons). In 100 Gramm der klebrigen Masse stecken laut Wikipedia 16,6 Gramm Fett und 448 Kilokalorien. Damit ist jeder Marsriegel eine Energiebombe von der zehnfachen Sprengkraft eines Apfels (Daher der 70er Jahre-Slogan „Mars bringt verbrauchte Energie zurück“).

Angesichts dessen ist es rührend, wie sich der Mars-Konzern gegen den Antrag der Erfinderin wehrt, ihre Création nach EU-Richtlinien schützen zu lassen – so wie Westfälischen Schinken, Kölsch und Altbier, oder auch schottischen Haggis. Wir wollen uns nicht in die Untiefen der Diskussion begeben über die Sinnhaftigkeit eines solchen Ansinnens, sondern lieber auf die Reaktion des Schokoriegel-Fabrikanten konzentrieren:

Als Mars von der Sache Wind bekam, forderte deren Rechtsabteilung die Schottische Friteuse auf, an ihrer Ladentür ein Schild zu montieren, auf dem sich der Konzern in lauten Lettern dagegen verwahrt, was mit Produkten aus seinem Haus und heißem Fett angerichtet wird. („Mars Attacs!“ titelte dazu sehr schön der Independant – schade, dass die Schlagzeile schon vergeben war…). Die Spezialität des Hauses (150 Stück gehen bei ihr wöchentlich über die Ladentheke) verstoße gegen die Politik von Mars für gesunde Ernährung, heißt es allen Ernstes im Schreiben an die Fritten-Frau. Wie war das gleich mit dem Bock und dem Gärtner?

Natürlich lässt sich ein solcher Artikel nicht beenden ohne aktuellen Bezug auf den Mars-Rover Curiosity und seiner Bohrwerkzeuge, um dessen Sterilität sich das daheim gebliebene Aufsichtspersonal sorgt. Vielleicht hat Wall-E’s kleiner Bruder Mikroben auf den Roten Planeten eingeschleppt, und so den Nachweis von Leben ebendort versaut. So, langer Anlauf, jetzt die Pointe: Hätten die NASA-Experten mal Frau Watson dazu gebeten! Die Bohrer in Bierteig ausfrittiert, hätte sich die Frage nach Leben auf dem Mars sicherlich nicht gestellt…

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