Things to do (when in London) – In der Cabbie-Bud…

Kein Schild, keine Werbung, kein wie auch immer gearteter Hinweis. Im Grün der amerikanischen Kaffee-Ketten Seuche (mit der sie nichts zu schaffen hat) steht es da, nicht nur mitten in der Stadt, sondern mitten auf der Straße, üblicherweise auf einer Verkehrsinsel – und fällt doch kaum jemandem auf. Doch, doch: Hier kann jeder einen Kaffee kriegen, vorne beim Straßenverkauf an der Stirnseite.

Hinein ins spärlich möblierte, aber beheizte Innere der kleinen Hütte dürfen allerdings nur die  Cabbies, die Londoner Taxifahrer. Denn für sie sind sie einstmals eingerichtet worden. Die schwarze Reling an den Seiten diente zum Festmachen der Droschkenpferde. Die Cabbie-Buden stammen aus viktorianischer Zeit, als das Personenbeförderungs-Geschäft noch weniger einbrachte als heute, und nur die Kunden hinten einigermaßen wettergeschützt saßen, während der Chauffeur auf dem Bock die Herrschaften vom Savoy-Hotel durch Regen, Wind, und Londoner Nebel zur Royal Albert Hall kutschierte.

Damit sich die solcherart durchzausten Cabbies zwischendurch aufwärmen konnten, gründete der Earl of Shaftesbury zusammen mit einigen philanthropen Freunden 1874 den Cabmen’s Schelter Fund, und ließ diese Vorläufer der Truck Stops bauen, überall in London. Frauen hatten zunächst selbstredend keinen Zutritt, denn weibliche Taxifahrer gab es damals nicht. Und auch die Männer mussten sich ausweisen, wollten sie hier bedient werden. Mangels Gewerbeschein diente ein Ballen Stroh zur Identifikation. Denn wer einen Ballen Stroh mit sich führt, so die bestechende Logik, der ist auch per Pferd und Kutsche unterwegs.

Von den einstmals 61 grünen Häuschen haben 13 bis heute überlebt und trotzen der Kaffee-Ketten-Schwemme amerikanischer Provinienz – interessanter Weise oftmals in nobler Nachbarschaft: Eine von ihnen steht im Edel-Wohnviertel Little Venice (Tube-Haltestelle Warwick-Street), eine im nicht weniger edlen South Kensington, andere am Hanover Square in der City, am Russel Square oder am Embankment.

Auch heute noch stellen Cabbies die Hauptkundschaft der kleinen, aus der Zeit gefallenen Hütten. Aber wer zwischen zwei Einkäufen Kaffeedurst verspürt, und wer den allwärts lungernden Anbietern der einschlägigen –>Trend-Latte-Macchi-Cappu-Presso-Plörre  nicht noch mehr Geld in den Rachen werfen will, der kann hier für kleine Münze schlichten Filterkaffee im ebenso schlichten, jungfräulich weißen Plastikbecher erstehen: tief schwarz, ehrlich, garantiert nicht fair gehandelt, und geschmacklich mit einer Ahnung von der letzten Fahrbahnerneuerung. Kurz, so wie Kaffee bei einer solchen Gelegenheit sein soll.

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