Burger-Wehr

Aufgeregte Politiker, die strengere Kontrollen fordern; Lebensmittel-Ketten, die sich in großformatigen Zeitungsanzeigen reuig vor dem Konsumenten in den Staub werfen und um Vergebung barmen; der Ekelfaktor für den Boulevard und die gern genutzte Gelegenheit für lustige Wortspiele beim Dengeln der Schlagzeilen, kurz: alles, was es für einen saftigen Skandal braucht. Seit einigen Tagen rotiert das Medienkarussell mal wieder auf Hochtouren.

Pferde-Burger Die Aufregung dreht sich sozusagen um die Fleisch gewordene burgerliche Mittelschicht: In einigen der tiefgefrorenen Mettklopse von Tesco, Lidl, Aldi, Iceland und Co. sind Spuren von Pferdefleisch nachgewiesen worden. Was, nur Spuren!? höre ich die Belgier empört rufen. Die Weltmeister im Pferdefleisch-Verzehr würden sicherlich zu Recht darauf bestehen, dass die ganze Frikadelle vom Pferd kommt.

Doch der Engländer hat ein anderes, durchaus zärtliches Verhältnis zu seinem Huftier, zumindest, wenn es einen längeren Hals hat als ein Rind, und man hoch auf seinem Rücken zu Fuchsjagden blasen kann. Erst Reiten, dann Essen – das ist für Briten keine Option, weshalb in der Berichterstattung auch dauernd von „contaminated products“ die Rede ist.

Dem aufgeregten Gescharre um die Konsistenz des Pattys, wie der Knorpel-Diskus hier liebevoll genannt wird, liegt offenbar eine grundsätzliche Fehlannahme zugrunde: Dass in den Billigst-Angeboten aus den Tiefkühlregalen der Discounter bitteschön genau das drin zu sein habe, was auf der Verpackung außen drauf steht. Was natürlich nicht sein kann, wenn man sich die Zeit nimmt, um für zwei Penny über Preis und Produkt nachzudenken.

Dieses gängige Missverständnis brachte die Gastro-Kritikerin des Guardian sehr schön auf den Punkt. Marina O’Loughlin zeigte sich überhaupt nicht überrascht über Pferdefleisch in Beefburgern: „Die große Überraschung ist vielmehr, dass da überhaupt Fleisch drin ist.“

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