Gehse inne Stadt… – Currywurst in London, Teil 3

K&L_Aussen Autsch! Das hat man davon, wenn man vor der Bestellung nicht auf die Preistafel schaut: Kaum habe ich in der Auslage hinter der Theke mein Lieblings-Bier entdeckt, leuchten meine Augen und trübt sich mein Verstand. Einmal bitte! Dazu die Currywurst. Zufrieden einen Hocker am Holztresen vor dem Fenster zurecht gerückt, die ersten Notizen gemacht („Kölsch, sogar mit zugehöriger Stange: ++“), schön. Beim ersten Schluck schweift der Blick über die Getränkeliste.

Im Bereich Bier ist Kurz&Lang ordentlich sortiert, die Preise pro Pulle allerdings deftig: Flens 3,90, Tannenzäpfle 4,20, und… schluck! Früh-Kölsch verträumte 5,30! Teurer ist nur noch Schneiders Weiße mit 5,50. Für einen halben Liter, immerhin. Aber Puh! Wir sind hier in einer Imbissbude, nicht im Gala-Restaurant. Da hätte es dann vielleicht doch ein kleines Becks für 2,90 getan.

K&L_ThekeDagegen gefällt, was da auf der heißen Platte hinter dem Tresen passiert, wo mittlerweile meine Bratwurst brutzelt. „Ich habe gerade eine Krakauer fertig,“ hatte mir die junge Dame an der Wurstzange gesagt, nachdem ich den kleinen Laden am Smithfield Market betreten hatte. Bratwurst werde gut 10 Minuten dauern, die müsse sie frisch auflegen. Das angebotene Qualitätsprodukt polnischer Bauart sah sehr appetitlich aus, aber ich bin ja nicht zum Vergnügen hier.

Mit rührender Sorgfalt und heiligem Ernst kümmert sich die Fachfrau um die Wurstware: Immer wieder prüft sie mit kritischem Blick den Bräunungsgrad des Grillgutes – und mit geeignetem Werkzeug dessen Kerntemperatur, während die Pommes im sprudelnden Frittenfett baden. Vorbildlich!

K&L-TafelDie Vorfreude steigt, der beifällige Blick wandert hinüber zu den anderen Gästen (zwei Asiaten, die sich ein Paar Frankfurter teilen, und eine Gruppe Geschäftsleute, die auch bei Temperaturen um den Gefrierpunkt die Stehtische draußen bevorzugen), bleibt kurz an der Tafel haften mit den Erklärungen über Herkunft und Tradition deutscher Wurst im Allgemeinen und hiesiger Wurst im Besonderen, und geht zurück zur Wurstfachkraft, die soeben meine Bestellung vom Grill zieht, sie per mechanischer Unterstützung routiniert guilloutiniert, mit den Pommes auf einem rechteckigen Porzellanteller anrichtet, um sodann ebenso K&L_Curry-Ketchuproutiniert zur roten Curryketchup-Flasche zu greifen und … nein, bitte nicht – zu spät! Ein Schwall eben jenes Ketchup-Imitates ertränkt mein Mittagessen in der süßen Klebrigkeit, die mir schon frühere Currywursterlebnisse in London vergällte. Diesmal allerdings ist alles noch schlimmer, diesmal kommt der Curry-Ketchup direkt aus der Flasche und ist folglich kalt, was dazu führt, dass auch die Wurst nur noch bestenfalls Schlingtemperatur hat, als sie mich erreicht. Eine Tragödie griechischen Ausmaßes! Die Pommes zeigen sich dazu zwar einigermaßen knusprig, aber seltsam blass und geschmacklos bis leicht tranig. Ob das Frittenfett nicht heißt genug war? Alles in Allem jedenfalls mein persönliches Wurstfall-Szenario, wie der Angelsachse sagt. Da kann auch die kostenlos dazu gereichte Mayonaise nichts mehr heraus reißen.

K&L_CurrywurstNachdem sich der erste Schock gelegt hat, stellt sich die Ketchup-Menge als mäßig heraus. Andernorts würde ich mich jetzt beschweren. Bei Currywurst liegt die Betonung auf dem ersten Teil des Wortes und die Haupt-Aufgabe der Wurst ist es, als großflächiges Trägermedium für möglichst viel Soße zu dienen.

In diesem Fall aber gibt mir der übersichtliche Kleks die Gelegenheit, von der Wurst unten drunter geschmacklich etwas mitzukriegen. Und das ist klasse, eindeutig. Die beste Wurst bislang. Preislich ist das Ganze auch völlig ok: 3,95 Pfund für die Wurst und 1,30 für die Beilage (auch wenn die zu Wünschen übrig lässt). Aber dieser Curryketchup!

Eindeutiges Fazit: Bei Kurz&Lang gibt es exzellente Wurst, aber die ist am besten in der Puristen-Variante zu genießen. Ohne Beilage. Ohne Soße. Vielleicht mit ein wenig Senf. Höchstens.

Kurz&Lang – The Bratwurst Company

1 St. John Street, Smithfield, London EC1M 4AA

Tel: 0207 993 2923

Hier geht es zum ersten Teil des Londoner Currywurst-Tests, und hier zum zweiten Teil.

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