Gehse inne Stadt… – Currywurst in London, Teil 5

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Alle Fotos in diesem Artikel: (c) 2013 Martin Herzog

Ob sie jede einzelne ihrer Original Berliner Currywürste frisch aus der Hauptstadt importieren müssen? Bei dem Preis wäre es jedenfalls nicht überraschend: 7 Pfund 50 für Wurst samt Soße und Pommes – selbst für Londoner Verhältnisse ist das saftig und mit Abstand die bislang teuerste in unserem kleinen Test. Von der indisch inspirierten Spezialität aber zunächst keine Spur: Seit einer knappen Stunde warte ich schon auf das, was traditionell unter Schnellgericht firmiert.

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Blubberlutsch auf Bayrisch: Rosada Fruit Beer und seine Halterinnen

Vielleicht hätte ich mir auch nicht gerade den Abend vor dem Champions-League-Endspiel aussuchen sollen, um hier meine Aufwartung zu machen, in dieser Heimstatt bajuwarischer Urigkeit (oder dem, was der Deutsche glaubt, dass der Engländer dafür hält): Der Bierkeller der Bierschenke ist rappelvoll mit FC-Fans, die bedirndelten Bedienungen im Stress und meine Bestellung offenbar untergegangen.

Immerhin, wenige Minuten nach meiner hungrigen Nachfrage steht das ersehnte Tellergericht zu „Super-Bayern-Super-Bayern-hey-hey-hey!“-Rufen auf dem groben Holztisch. Das Bier dazu gibt es hier natürlich vom Fass, wahlweise Warsteiner, Bitburger, Köstritzer, Kaltenberg Helles, oder wie in meinem Fall Krombacher (das ebenfalls angeschlagene Rosarda Fruchtbier verbuchen wir mal gnädig unter „Remineszenz an den getrübten Geschmackssinn manch eines Einheimischen“).

BierschenkeDie Wurst selbst erhebt also den Anspruch, von Berliner Bauart zu sein, und ohne jetzt in die Untiefen einer lebensmittel-chemischen Analyse hinabzusteigen, darf man wohl schließen, dass es sich um eine solche handelt: Im Gegensatz zur Ruhrpott-Variante stellt hier keine Brat- sondern eine leicht geräucherte Brühwurst das Trägermaterial für den Curry-Geschmack. Der im Vergleich etwas kräftigere Darm sorgt für eine schöne Knackigkeit (kurze Pause für sämtliche bunten Assoziationsketten, die jetzt gerade durch’s kranke Hirn schießen. Ich kann’s doch auch nicht ändern – würde ich Saitling schreiben, blieben die Tatsachen die selben). Die Soße dazu ist würzig, und nicht zu beanstanden, ebenso die dicken, aber dennoch knackigen Pommes. Majo gibt’s in einem separaten Töpfchen (leider keine Röstzwiebeln, aber die gehört meines Wissens auch nicht zur Berliner Variante).

Bierschenke4Alles in allem: solide Qualität zu einem recht unbescheidenen Preis. Wobei: Wer schon einmal auf der Münchner Wiesn ein halbes Brathändl zum Preis eines Monatslohns ersteigert hat, fühlt sich hier gleich zuhause. Genau das ist vermutlich auch das selbstlose Ziel der Betreiber…

Die Bierschenke ist grundsätzlich ein recht gemütlicher Laden, und nach zwei, drei Pints schafft man es vielleicht auch, die scheußlichen Wandgemälde zu ignorieren, die sich dem Gast aus jeder Himmelsrichtung entgegenwerfen. Noch drei Pints drauf, und sie werden vermutlich sogar erträglich. Irgendwie.

Bierschenke-AussenBierschenke, 46 Essex Street (Nähe Strand) London, WC2R 3JF

Telefon: 020 7936 2536
Email: info@bierschenke.co.uk

Öffnungszeiten:

Montags-Donnerstags 17-23 Uhr

Freitags 12-23 Uhr

Samstags 14-24 Uhr

Sonntags geschlossen

Die ersten Teile des ultimativen Londoner Currywurst-Checks verpasst? Es geht
 

 

   
   
   
   

 

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