I’m blue…

I'm blue...

In West-London findet man sie an jedem zweiten Haus. Meist erinnern die blauen Plaketten an irgendeinen zu recht vergessenen Landschaftsmaler der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, oder an den Schwipp-Schwager der zweiten Frau des dritten Earl of Featherstone (später Schatzkanzler unter George III.), oder daran, dass im Hinterhof des Hauses, das einmal an dieser Stelle stand, das Papier geschöpft wurde, auf dem Charles Dickens seine Einkaufslisten geschrieben haben könnte.

Im Osten der Hauptstadt aber sind sie weit weniger zahlreich zu finden, und wenn, dann eher zu Ehren von lichtscheuem Gesindel: für dubioses Theatervolk wie William Shakespeare oder den Klingenkünstler Jack the Ripper.

Das kann so nicht bleiben, hat sich da wohl jemand gedacht. Oder auch nicht. Obige Plakette jedenfalls ziert die Außenmauer eines Hinterhofs in Shoreditch, dem hippen Viertel gleich nördlich des Bankenviertels, wo Banksy einst stiekum seine Spuren hinterließ, bevor er seine Wandmalereien meistbietend bei Sotheby’s versteigern ließ, und wo man der Gentry momentan live beim Gentrifizieren zusehen kann.

Die Künstlerszene schaut sich schon händeringend nach Alternativen um, weil sie die einst schäbbigen, jetzt schicken Lagerhaus-Lofts nicht mehr bezahlen kann, und auch der Verursacher dieser Plakette hat vermutlich längst das Weite gesucht…

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