Ist das Kunst, und wenn ja: kann das weg?

PeteDoherty-Shop

(c) Noisey, Music by Vice

Ein Gegenstand, den Kate Moss‘ Lippen berührt haben: Schwer zu sagen, was der wert ist. Was dieser Gegenstand hingegen kostet, das wissen wir jetzt. Ihr Verflossener hat sozusagen ein Preisschild dran geklebt. Ja, genau, der!

Ex-Libertines-Ex-Babyshambles-Ex-oder-auch-aktuell-Koks-Crack-Heroin-so-ganz-genau-weiß-man-das-nicht Pete Doherty vertickert seit neuestem „rare items“ aus seiner „personal collection“, wie es auf seiner Homepage heißt, also allen Tinneff und Ramsch, den er hinterm Sofa und auf dem Dachboden finden konnte.

Bereits im zarten Alter von 34 Jahren ist er sich selbst also historisch geworden, und hat allen Plunder aus seinem alten Leben aussortiert (nicht dass er ein neues Leben hätte). Vielleicht ist das Lieblings-Schmuddelkind des internationalen Boulevards auch schlicht einem Anfall von spießiger Aufräumwut erlegen, soll ja vorkommen. Ein Zeichen? Auf seiner Internetseite wird das Ganze auch ein bißchen irgendwie so als Kunstprojekt dargestellt, aber man tritt Herrn Doherty sicher nicht zu nah, wenn man profanere Gründe vermutet.

Alte T-Shirts finden sich unter den Devotionalien, Jacken, Notizbücher, Tour-Poster, allerlei Kistchen und Kästchen – und Zigarettenstummel, an denen er selbst einst zog. Oder eben Kate Moss. Oder Amy Winehouse. Auch die hat er in seiner Sammlung.

Die Frage lautet natürlich: Was ist sonderbarer – die 100 Pfund, die Doherty für die Übereignung eines ausgeglimmten Stumpens verlangt, oder die Tatsache, dass er die angenuckelten Fluppen offenbar jahrelang aufgehoben hat?

DohertysShop

(c) Noisey, Music by Vice

Immerhin: Zwischen den monotonen Ständen der Camden Market Stalls mit ihrem immer gleichen Touri-Tand findet sich jetzt auch sein Nippes-Shop namens Doherty & Martin: The Rag & Bone Collection, in dem eine gewisse Suzi die Memorabilien losschlägt. Wie der Inhaber, so sind Öffnungszeiten eher erratisch, aber manchmal soll man den alten-jungen Meister sogar selbst antreffen können, wie ein Kollege der Online-Plattform Vice reportiert.

Der Laden wirkt in etwa so aufgeräumt wie man sich die Oberstube von Herrn Doherty vorstellt. Und wer wissen möchte, was auf den Zetteln steht, die zusammengerollt in Bierflaschen stecken, der muss sich wiederum von 100 Pfund trennen. Gedichte und Weisheiten seien darauf notiert, heißt es, persönliche Nachrichten an den Käufer. Na, für einen echten Doherty ist das sicher nicht zu viel verlangt. Schließlich stammen aus seiner Feder Zeilen wie…

Fuck forever
If you don’t mind
Oh fuck forever?
If you don’t mind, don’t mind, I don’t mind, I don’t mind

Da wird sich sicherlich ähnlich Erhebendes in der erworbenen Flaschenpost finden.

Seine Fans jedenfalls werden Dohertys Shop of Shit bald leer geräumt haben, egal zu welchen Preisen. Und dann wird der heilige Peter sehen müssen, wo er Reliquien-Nachschub her bekommt. Vielleicht sollte er sich da mal bei der katholischen Kirche erkundigen, wie das geht – die hat ja in dem Wirtschaftszweig knapp zwei Jahrtausende Erfahrung.

Also, auf nach Camden Market, so lange es sich noch um Originale handelt! Der lebensgroße Doherty-Pappkamerad für 500 Pfund muss es ja nicht nicht gerade sein, aber irgend etwas wird sich schon finden, um Pete ein wenig unter die Arme zu greifen. Irgendwo muss das Geld ja herkommen für den nächsten Trip nach Thailand…

Doherty & Martin: The Rag & Bone Collection

429 Stables Market
Chalk Farm, London
NW1 8AH
07914 897751
info@dohertymartin.com

Nachtrag 18.8.2013: Inzwischen hat sich bewusste Suzi zu Wort gemeldet, die sich als Mitinhaberin des Shops herausstellt. Sie legt Wert auf die Feststellung, dass keine Zigarettenkippen von Kate Moss oder sonstwem verkauft würden. Die aufmerksamkeitsfördernde Schlagzeile sei ein Scherz gewesen, der außer Kontrolle geraten sei. Das vermeldet etwas kopfkratzend die Online-Seite des New Music Express, hat doch der Meister im Gespräch mit NME vor nicht allzu langer Zeit exakt das behauptet.

Aber vielleicht ist es eh schlauer, sich auf den musikalischen Output des Herrn Doherty zu konzentrieren, denn, man lese und staune: Die Babyshambles sind offenbar doch nicht tot. Jedenfalls gibt es in Kürze eine neue Platte von ihnen, und jetzt schon mal was zu hören: Picture me in a Hospital heißt das Stück – und hat definitiv mehr Wert als all die gesammelten Doherty-Devotionalien zusammen…

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