Vor mir die Sintflut

1-IMG_3009Regen, nichts als Regen. Seit Wochen schon, ach was, seit Monaten! Ich muss da auch gleich wieder raus. Interview im British Museum zum Thema Noah und die Sintflut. Kein Scherz. Ob Noah Engländer war? Jedenfalls hatte er es noch vergleichsweise gut, bei ihm hat der Herr es nur 40 Tage und Nächte regnen lassen.

Selbst der fröhliche Kater Mikesch wird trübselig darüber. Seit Weihnachten hat der arme Kerl alle fünf Phasen der Krisenverarbeitung durchgemacht: von Uneinsichtigkeit (Tür auf, Kater raus, Kater nach 5 Sekunden klitschnass wieder rein, zwei Minuten später wieder raus…), über Zorn (Kater sitzt an der offenen Tür und faucht das böse Wetter an), Verhandeln (Kater bleibt auf der Türschwelle stehen, dreht sich um, maunzt empört Herrchen an mit einem Blick, der sagt: Das hast Du ja prima hingekriegt, jetzt sieh zu, wie Du das wieder gerade biegst!), Depression (Kater blickt trübselig von der Türschwelle aus in den Regen), Fügen in das Unabänderliche (Kater ignoriert die Außenwelt und rollt sich auf seinem Kissen zusammen).

Es ist der nasseste Winter seit 250 Jahren, sagen die Meteorologen. Somerset in Süd-England hat seit Weihnachten komplett nasse Füße, das Themse-Tal kaum weniger, die Thames-Barrier im Osten Londons wurde in den vergangenen Wochen so oft geschlossen, wie im vergangenen Jahrzehnt zusammen nicht. Kaum zu glauben, dass wir vor zwei Jahren einen so genannten hosepipe ban hatten, also ein Gartenschlauch-Bann, der angesichts der extremen Trockenheit in dem Verbot bestand, den ausgetrockneten heimischen Rasen zu wässern.

Kayak+CashmachineAlle sind natürlich gaanz nah dran und live dabei. Die Nachrichtenredaktionen sind dazu übergegangen, ihre Sendungen entweder aus den Dorf-Pubs von betroffenen Orten zu übertragen, von denen man bis dato noch nie gehört hat (BBC-Newsnight), oder ihre Moderatoren gleich in Anglerhosen ins hüfthohe Schmodderwasser zu stellen (Channel4-News), derweil die zuständige Politikerriege sich pflichtschuldigst und gummibestiefelt beim Besuch von Hochwasseropfern ablichten lässt. Selbstredend hat längst das auch hier so beliebte Blame Game begonnen. Gesucht: Der Schuldige.

Ich habe da so meine eigene Theorie. Die Naturkatastrophe ist menschengemacht! Und damit meine ich nicht den Klimawandel. Ja, doch, den auch. Aber der ist ja nur zuständig für die Wasserfluten. Dabei wird Großbritannien doch vor allem von Menschen überflutet. Sagen zumindest die ehrenwerten Parteivertreter des rechten Spektrums, und ihre medialen Büchsenspanner: Wenn der Zustrom von Immigranten so weiter geht, vor allen aus Osteuropa, deren Vertreterinnen ja bekanntlich besonders fruchtbar sind, dann werden in kaum 30 Jahren mehr als 90 Millionen Menschen hier leben, ä(ch)zt die Daily Mail.

Alle wollen sie in das gelobte England: die Rumänen, die Bulgaren, die Polen, alleallealleallle. Und alle holen sie ihre Familien nach, um sich auf Kosten des britischen Wohlfahrtstaates einen lauen Lenz zu machen! Aber das ist ihr eigener Untergang. Schließlich ist das hier eine Insel, und eine ziemlich kleine für so viele Menschen. Wenn man das Gewicht jedes einzelnen mit 80 Kilogramm ansetzt, dann ist das bei 90 Millionen… Moment… hab’s gleich – naja, eine ganze Menge eben. Und das Ergebnis kann man jetzt schon besichtigen: An der Küste und in den Flusstälern fängt es an – nicht das Wasser steigt, die Insel sinkt!

Vermutlich wieder mal eine böswillige Verschwörung der EU-Länder auf dem Kontinent gegen das fleißige Inselvolk: eine weitere Maßnahme, um Großbritannien klein zu halten und in Geiselhaft zu nehmen, per kollektivem Waterboarding, sozusagen.

Also, rette sich, wer kann! Aber erst noch das Interview im British Museum. Mein Gesprächspartner hat eine babylonische Keilschrifttafel entziffert, die sich als eine Art Bauanleitung für die Arche herausgestellt hat. Werde mich mal nach den Details erkundigen – und auf dem Rückweg noch beim örtlichen Baumarkt vorbei schauen.

2 Gedanken zu „Vor mir die Sintflut

  1. Na da steht ja auch viel Wahres in Deinem Beitrag: Sogenannte Naturkatastrophen sind meistens menschengemacht. Wenn ich dann allerdings der Herzog’schen Überleitung zur Rumäneninnenschwemme nicht ganz folgen möchte.

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