Care Paket, London Style…

Care-Paket1Halleluja! Meine Gebete sind erhört worden. So müssen sich unsere Verwandten – wie Omma immer sagte –  „in der Zone“ gefühlt haben, wenn mal wieder ein Paket mit Bohnenkaffee angekommen war, und mit Nylonstrümpfen (NurDie, Reimport aus der DDR). Und völlig unerwartet zudem!

Jetzt erinnere ich mich auch wieder: Bei seinem kürzlichen Besuch habe ich Freund Christian aus K. mein Leid geklagt, meine Passion nachgerade biblischen Ausmaßes auf der Suche nach Kaffeefiltern. In vier verschiedenen Supermärkten größerer Bauart war es mir binnen zwei Wochen nicht gelungen, ein Paket mit 4er Filterpapier aufzutreiben. Überall hieß es: „Sorry, just ran out of filters, try tomorrow“. Meine Fragen, ob Kaffeefilter ein so verderbliches Gut darstellen, dass sie nicht länger gelagert werden dürfen, oder ob irgendwo eine Kaffeefilter-Verschwörung im Schwange sei, wurden mit Axelzucken quittiert. Angesichts von jeweils mehreren Regalmetern angebotenen, unterschiedlichsten Filterkaffees, erscheint mir die Erwartung von zugehörigen Kafeefiltern nicht völlig übertrieben. Wie, um Himmels Willen, kochen Briten ihren Kaffee? Haben die etwa alle diese sündhaft teuren Hochdruck-Espresso-Höllenmaschinen aus Italien?

1-IMG_2148Nein, die Antwort ist simpler, wie mir der Mitarbeiter im Supermarkt meines Vertrauens versicherte: Presskaffee. Als relativer Neuling in der Welt des Kafeebrauens traut der Brite offenbar eher dem Prinzip, das ihm vom Teeaufguss bekannt ist: Pulver in eine Kanne geben, mit heißem Wasser zugießen, warten, abseien bzw. in diesem Fall per Bodum-Kolbenhub herniederpressen. Der Melittafilter hat sich im Privathaushalt offenbar nicht durchsetzen können (anders als in der Gastronomie, wo der Filterkaffee seit geraumer Zeit eine Renaissance erlebt).

Unser heimischer Filterengpass ist mittlerweile behoben, aber in den Wochen danach verspürte ich stets den leisen Drang, hamstermäßig sofort zuzugreifen, wenn ich im Regal mal einer einsamen Packung 4er ansichtig wurde. Meine Paranoia ist offenbar nicht ganz unbegründet, denn der kundige Verkäufer im Supermarkt meines Vertrauens bestätigte, dass das Regal-Abteil, das für Kaffeefilter vorgesehen ist, meist leer bleibe – oder aber, sobald neue Ware einsortiert ist, diese umgehend wieder ausverkauft sei.

Ähnlich verhält es sich mit dem restlichen Inhalt meines Care-Paketes: In London schwer aufzutreiben (und dann natürlich zu astronomischen Preisen). Beim Senf gibt es hier genau eine Alternative: das einheimische, künstlich gelbe, nasenpfeiffende Rettich-Filtrat aus dem Hause Coleman (für Burger ok, geht-so-was-von-gar-nicht für alles andere), oder Dijon-Senf, manchmal auch noch á l’Anciennne. Ab und zu muss es aber dann doch ein richtig guter Senf sein, am besten einer aus dem kleinen Dorf nördlich von Köln. Und den gibt’s hier einfach nicht, nirgendwo, nicht mal in einer der deutschen Discounter-Oasen mit den vier Buchstaben.

Und die Gurken? Ach, die Spreewaldgurken! Ich könnte das ganze Internet vollschreiben mit meinem Lamento über die Mittelmäßigkeit hiesiger Gewürzgurken-Erzeugnisse, sowie die darauf folgende Hymne auf die hohe Kunst des Gurken-Einlegens, wie sie nur in der Mark Brandenburg beherrscht wird.

Nun aber sind wir wieder für geraume Zeit gerüstet, und das nicht zu knapp: Mit Kaffeefiltern werde ich einen schwunghaften Handel beginnen, Senf (beides: mittel und extra scharf) haben wir wieder so reichlich, dass es eine Freude ist, und die Gurken – nun die werden gut gehütete und bleiben ganz besonderen Gelegenheiten vorbehalten. Das heißt, eine wird gleich jetzt geschlachtet: Ran ans Glas, Gurke geangelt, und dann mit einem Hoch auf den Absender knackig hinein gebissen. Hipp-Hipp Hurra!

3 Gedanken zu „Care Paket, London Style…

    • Habe ich das? Ich glaube nicht. Vielmehr habe ich mich laut darüber gewundert, dass die Franzosen offenbar die britischen Labber-Toasts mögen. Und was die Currywurst betrifft, habe ich die Serie vergangenes Jahr mit dem Mea Culpa begonnen, dass auch ich schuldig bin, ab und an die deutsche Wurstbraterei an Charing Cross aufzusuchen (was vielleicht eine lässliche Sünde ist, wenn man in der Diaspora wohnt, und nur ein oder zwei Mal im Jahr nach Deutschland kommt). Es ist ein Klischee, aber leider eins, das stimmt: Der Schmacht nach Dingen wie deutsches Brot und deutsches Bier, Currywurst und Gewürzgurken wird erst dann richtig groß, wenn man sie nicht bekommt, oder nur sehr schwer.
      Allerdings erstaunt es mich jedes Mal wieder, bei Herman ze German zahllose Touristen aus D. zu treffen, die für ein Wochenende nach London kommen, und der hiesigen Küche so wenige trauen, dass sie in den drei Tagen ihres Besuchs zur Nahrungsaufnahme unbedingt deutsche Versorgungspunkte anlaufen müssen. Wobei – so verwunderlich ist das auch wieder nicht, denn auf dieses Prinzip haben die großen Burger-Ketten schließlich ihren halben Umsatz aufgebaut: Ob in London, Rio, Tokio oder Berlin – überall auf der Welt der gleiche Fraß, garantiert.

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