Advent, Advent…

1-IMG_2435Herrje, ist es schon wieder so weit? In den Straßen liegen heimatlose Tannenbäume und weinen still ihre letzten Lametta-Fäden aus den dürren Ästen, und schon werden wieder Tage rückwärts gezählt. Aber keine Sorge, nicht auf Weihnacht geht es, sondern auf Umzug. In genau sieben Tagen packen wir unsere Siebensachen und verabschieden uns aus London, auf den Tag genau drei Jahre, nachdem wir hier angekommen sind.

Ein paar Sachen möchte ich aber vorher noch los werden. Und so werde ich Euch/Sie, die treuen Leser dieses kleinen Blogs, in den kommenden Tagen noch ein paar mal behelligen, und zwar zunächst mit einigen sprachlichen Auffälligkeiten.

Abseits der üblichen umgangssprachlichen Wörter und Phrasen, die man lernt, wenn man länger in einer Fremdsprache unterwegs ist (‚Cheers‘, ‚No worries‘, ‚See you in a bit‘), sind mir einige idiomatische Ausdrücke in Erinnerung geblieben – beziehungsweise ich wollte sie mir unbedingt merken. Weswegen ich vor geraumer Zeit angefangen habe, eine Liste zu pflegen mit den treffendsten, witzigsten oder auch nur passendsten Worten und Wendungen, die nicht, oder jedenfalls nicht ohne Weiteres ins Deutsche übertragbar sind. Da sie für sonst wenig gut ist, kippe ich die ganze Ladung einfach mal hier aus, vielleicht kann ja jemand was damit anfangen. Ich jedenfalls finde sie köstlich:

a nasty piece of work – ein fieser Kerl / fieses Weibstück / Arschkrampe;

a work around (to find a… – Substantiv!) – eine meist provisorische (und oft erstaunlich langlebige) Alternativlösung für ein Problem, einen Fehler oder zeitweisen Ausfall eines Systems;

Anticlimax / anticlimactic – nicht, wie man denken könnte, das Gegenteil von Höhepunkt – also Tiefpunkt – sondern das Ausbleiben des Höhepunktes, etwas, das die erwartende Spannung nicht auflöst, sondern den Betreffenden fragend, frustriert, enttäuscht zurück lässt. Quasi das intellektuelle Gegenstück zum Coitus Interruptus;

As good as it gets / as good as they come – besser geht‘s nicht;

bamboozled – baff/verblüfft sein;

in his/her birthday suit – nackt;

brainchild – man ist versucht, es mit Kopfgeburt zu übersetzen. Das liegt zwar nahe,  aber daneben. Brainchild ist sehr positiv konnotiert, im Deutschen gibt es einen ähnlichen Ausdruck, nur aus der gegenläufigen Perspektive: Jemand ist der geistige Vater / die geistige Mutter von etwas.

brainiac – ein Superschlauer;

concoction – Gebräu, Gesöff, gebräuchlich auch in Verbform: he concocted a drink;

contraption – Gerätschaft (→ Wort der Woche);

Dead on arrival – Totgeburt;

die-hard – eingefleischt (-er/es): z.B. a die-hard communist/republican/royalist/liberal;

Drama King/Queen – Drama King/Queen

earmarked (for) – wörtl. mit einer Ohrmarke versehen, wie eine Kuh: für etwas vorgesehen;

flabbergasted – wenn einem die Spucke wegbleibt;

gobbledegook, to speak/talk/understand – unverständliches Zeug / Fachchinesisch reden/verstehen;

halfwit – wörtl. Halb-Gescheiter: Vollpfosten, Trottel;

knee jerk reflex – Kniereflex/reflexartig;

Loose canon – wörtlich: eine auf einem Schiffsdeck herum rollende (geladene) Kanone: unberechenbar/gemeingefährlich sein;

more often than not – wörtl. eher öfter als seltener: in den meisten Fällen;

(that‘s a) mouth full – (das ist) ein Wortungetüm, gern eingesetzt bei langen Titeln (Dienstwagen-Chauffeurs-Anwärter-Ausbilder), oder überbordenden bürokratischen Begriffen;

muddle (to be in a) – in einer verzwickten Situation stecken. Auch als verb: to muddle through: sich durchwurschteln;

no brainer – eine klare Entscheidung (ohne sich das Gehirn zermartern zu müssen);

Number cruncher – wörtlich Zahlen-Mühle: Statistiker, auch Super-Computer;

Pet theory, to entertain a – wörtl. Schoßtier-Theorie, eine eigene (Lieblings-) Theorie pflegen;

red herring – falscher Köder, Ablenkungsmanöver;

red tape(d) – mit Absperrband versehen, etwas ausschließen. Im übertragenen Sinn auch Denkverbote erteilen;

Rat Race – wörtlich Ratten-Rennen: (das tägliche) Hamsterrad;

Sausage factory – Fleischwolf (im übertragenen Sinn);

Scare-mongering, auch Fear-mongering – Mit Ängsten (der Bevölkerung) spielen, oft im politischen Bereich. Monger ist ein alter Begriff für Händler, der weitgehend ausgestorben ist. Mancherorts findet man noch den Fishmonger und noch seltener den Ironmonger. Scaremongering bedeutet also eigentlich ‚mit der Angst Handel treiben‘. In Abwandlung taucht bisweilen auch der gossip monger auf (die Klatschbase), der phrase-monger (Phrasendrescher) der mystery-monger (Geheimniskrämer), und der war-monger (Kriegstreiber);

Shambles, to lie in – in Trümmern, Ruinen, Scherben liegen (→ Wort der Woche);

Shenanigans – Schwierigkeiten, Durcheinander;

squirrelsquirrel away, to – etwas auf die Seite schaffen wie ein Eichhörnchen (engl. squirrel, –> Wort der Woche);

The greasy pole – wörtl. Fettpfosten: in Politik oder Wirtschaft der glitschige Pfahl, den jeder erklimmen möchte, um ganz oben zu sein;

Toddler – Kleinkind (von engl. to toddle: stolpern, wanken, watscheln);

To bolt sth. onto sth. – wörtl. etwas auf etwas draufnieten/-nageln (im übertragenen Sinne, z.B. bei Handy-Verträgen: zusätzliche Leistungen, Datenpakete etc.), auch als Substantiv: a bolt on;

To dumb things down – vereinfachen, für jedermann verständlich machen (Anwendung: He’s an academic, but he’s very good in dumbing things down);

To hammer the message home – etwas einhämmern;

To have the time of one’s life – Spaß haben wie Bolle;

To keep a stiff upper lip – Die Ohren steif halten;

To live the life of Riley – Es sich gutgehen lassen (bis heute habe ich nicht herausfinden können, wer dieser Riley sein könnte);

To pencil (in) a date – im Geschäftsleben einen Termin mit Bleistift eintragen, also Vormerken ohne ihn bereits zu bestätigen (häufig in Verbindung mit der Abkürzung→ tbc – to be confirmed);

To pick one’s brain – jemanden ausfragen, der Ahnung von der Materie hat;

To talk somebody through something – Jemandem eine Funktion, ein technisches Gerät oder einen Ablauf erklären;

to tune in to – sich auf etwas (gefühlsmäßig) einstellen/einlassen;

turncoat – umgedrehter… (Anwendung: The die-hard communist became a turncoat conservative in later life);

underwhelmed – das Gegenteil von überwältigt (overwhelmed), also „unterwältigt“, im Sinne von „unbegeistert von etwas“ (einem Theaterstück, einer Rede, einem Verhalten). Interessanterweise gibt es zwar die Komposita over- und underwhelmed, nicht ber das Grundwort whelmed.

Die Liste ist natürlich weit davon entfernt umfassend zu sein. Erweiterungen sind jederzeit willkomen…

4 Gedanken zu „Advent, Advent…

    • Ich weiß, nach einer Weile in London glaubt man gar nicht mehr, dass das geht. Aber ich habe gehört, dass es tatsächlich die Möglichkeit gibt, sich außerhalb der M25 zu bewegen, sogar für längere Zeit, und dafür haben deren Erbauer sogar Maßnahmen ergriffen: Ausfahrten, die nicht wieder zurück nach London führen, sondern in die dunkle, den meisten Londonern völlig fremde Umgebung namens RoE (Rest of England). Eine dieser Ausfahrten führt sogar bis an die Küste. Denn London ist gar keine Insel, sondern nur die Insel auf einer Insel. Und dort – halt Dich fest – haben sie einen Tunnel gegraben, unter dem Wasser durch bis nach Europa. Durch diesen Tunnel werden wir fahren. Auf der anderen Seite leben auch Menschen, die sind sogar ganz ähnlich wie die Menschen hier, viel ähnlicher als sich das die meisten Londoner vorstellen können. Nur sprechen sie ein wenig anders und halten Baked Beans und Crisps nicht für einen gesunden Teil ihrer täglichen Ernährung. Wir wollen mal schauen, ob es sich da aushalten lässt.

  1. Danke für die Liste!
    … Riley könnte der Automobilhersteller sein, ihm soll es gut ergangen sein, mit frühem Reichtum und dem geschafften Sprung von zwei auf vier Räder … maybe it is your Riley

    • Indeed, he could be. Schöne Idee, ich kannte den Autohersteller gar nicht. In einem Wikipedia-Artikel (Wikipedia) über eine Fernsehserie gleichen Namens wird allerdings auch über einen Ursprung in den USA spekuliert:

      The expression is of uncertain origin, and is first attested from around World War I, particularly in American servicemen. Various theories exist as to the origin, such as to an origin in the 1880s, a time when James Whitcomb Riley’s poems depicted the comforts of a prosperous home life, but it could have an Irish origin—after the Reilly clan consolidated its hold on County Cavan, they minted their own money, accepted as legal tender even in England. These coins, called “O’Reillys” and “Reilly’s” became synonymous with a monied person, and a gentleman freely spending was “living on his Reillys”.

      So wird die Herkunft des Ausdrucks wohl bis auf Weiteres ein dringendes Desiderat der englischen Sprachwissenschaft bleiben…

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